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Toni, Kriegsende und Karriere in Ried

Ferdinand Brunnbauer verbrachte als Kind und Jugendlicher sehr viel Zeit bei seinen Großeltern in Weikersdorf. Meine Forschungen hatten die Erarbeitung des Briefkontaktes von Toni Wagner mit Ferdinand Brunnbauer zum Ziel. In der Zeit des 2. Weltkrieges schrieb Toni Wagner von der Front unzählige Briefe an den „lieben Ferdl“.

Im Zuge des regen Briefkontaktes mit Toni Wagner beruft sich Toni immer wieder auf Ferdinand Brunnbauer – gerade als die Kriegslage schlechter wird, erscheint Brunnbauer für Toni als jemand, der die Sache versteht, mit dem man reden könne. Leider ist umgekehrt keiner der Antwortbriefe Brunnbauers erhalten.

Die Briefe vermitteln einen geschönten Eindruck vom Fronterleben. Da es ja verboten war, irgendetwas über die militärische Lage zu berichten, beschränkte sich Toni meist auf Details der Landschaft, der Verpflegung und ganz allgemein die Beschreibung von Land und Leuten. Trotzdem kommt im Verlauf des Krieges der drohende militärische Untergang zwischen den Zeilen zur Sprache, etwa 1944:

„[…] Zum Einsatz ist das Gebiet allerdings nicht so günstig, denn der Russe kann hier seine Panzer in Massen einsetzen, was in den Bergen ja kaum möglich war.

Die Frontbriefe von Toni Wagner helfen uns, etwas über Ferdinand Brunnbauers Aufenthaltsort in dieser Zeit zu erfahren. Da die Tagebücher von 1938-1945 ja nicht vorhanden sind, sind die Briefe, die sich immer wieder auch an „Ferd“ richten, eine wichtige Quelle.

Wie geht es dir? Hoffentlich hast du von den engl. „Bonbons“ nichts abbekommen. Das muss ja ziemlich arg gewesen sein. Was sagen die Franzosen dazu? Ich glaube die werden nicht gerade begeistert sein von Ihren ehem. Bündnisgenossen. Bin neugierig, wann es im Osten los gehen wird, vorläufig ist es ja auch unmöglich, denn der Winter will gar kein Ende nehmen, gerade heuer, wo wir ihn am liebsten verwünschen möchten, ist er besonders arg.

Insgesamt muss man sagen, dass Toni Wagner mit seinen Briefen Ferdinand Brunnbauer sicher moralisch geholfen hat. Sonst hätte sich Brunnbauer sicher die Briefe nicht ein Leben lang aufgehoben. Toni Wagner formuliert seine Erlebnisse im Krieg meist recht positiv und dürfte damit genau auf einer Wellenlänge mit Brunnbauer gelegen haben.

Nun ist die Hälfte meines Urlaubs bereits vorüber, ja die Zeit vergeht viel zu schnell in der Heimat, Und doch möchte ich jetzt im Krieg nicht längere Zeit daheim sein. Trotz allem, was man erlebt und mitgemacht hat, hat man das Verlangen, wieder dabei zu sein.

Nach dem Krieg musste Brunnbauer zwei ganze Jahre in Glasenbach verbringen. Nachdem er die Strafe abgesessen hatte, kehrte Ferdinand nach Ried zurück, wo er mit seiner Familie lebte. Laut seiner Tochter war Ferdinand Brunnbauer ein sehr liebenswerter Vater. Ferdinand konnte, nachdem er einige Jahre als Farbenverkäufer gearbeitet hatte, wieder als Lehrer in einer Schule in Braunau zu unterrichten beginnen.

Nach einigen Jahren wurde er Lehrer in Ried und später auch Schulleiter in der heutigen Brucknerschule. Ferdinand Brunnbauer trat bald nach dem Krieg der ÖVP bei. Von dieser Partei wurde er zum Vizebürgermeister gewählt. Den Beruf des Vizebürgermeisters und des Stadtrates übte er sehr sorgfältig aus. In der Brucknerschule war er ein strenger Leiter, er hatte dort das Sagen und das musste von den jungen Kollegen akzeptiert werden. Ein damals junger Arbeitskollege von Brunnbauer, Herr Xylian (Name geändert), hat uns in einem Interview berichtet, dass Ferdinand Brunnbauer selten in der Schule war und die Lehrer daher viel Freiraum hatten, was das Unterrichten betraf.

Meiner Meinung nach war Ferdinand Brunnbauer ein schwieriger Charakter. Er war aufbrausend, jähzornig und nationalsozialistisch. Auf der anderen Seite war unsere erforschte Person ein aktives Mitglied der Rieder Gesellschaft und blitzgescheite Persönlichkeit. Meines Erachtens war Ferdinand Brunnbauer zu sehr auf das Nationalsozialistische bezogen, aber doch auch ein liebenswerter Familienmensch.

Tobias Buchwald