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Brunnbauers schriftlich überlieferte Erinnerungen beginnen erst 1948 wieder. Als genaues Datum kennen wir den 17.Juni. Er teilt mit, dass er ab diesem Tag wieder in Freiheit ist. Die Jahre davor sind wenig klar.

Brunnbauer war Ortsgruppenleiter von Weikersdorf und hatte das HJ-Abzeichen in Gold, welches vor allem an NS‘ler verliehen wurde, die sich bereits in der Zeit als die NSDAP in Österreich verboten war, besonders für die HJ engagierten. Als SS Mitglied und Träger des HJ Abzeichens war er schwerbelastet. Daher hatte Brunnbauer an sich keine Chance, so schnell wieder ein normales Leben zu führen oder als Lehrer zu arbeiten. Er arbeitete daher nach seiner Rückkehr auch als Maler im Rieder Malergeschäft seiner Schwiegereltern. Das Geld war knapp. Allerdings kam Brunnbauer Zweierlei zugute: Erstens bemühten sich 1948 die beiden großen Parteien SPÖ und ÖVP wieder um die Eingliederung der ehemaligen NSDAP Mitglieder in ihre jeweiligen Parteien. In Österreich gab es 700.000 Menschen, welche NS-Mitglieder waren. Es war im Interesse der Parteien, diese vielen Menschen in die jeweiligen Parteien aufzunehmen. Zum anderen hatte Brunnbauer ein sehr gutes Netzwerk an Freunden, die in einflussreichen Positionen waren, und die sich für ihn einsetzen konnten.

Da ist zum einen die Freundschaft mit der Familie Spielbüchler. Der Gosauer Bürgermeister gehörte dem ersten Nachkriegsparlament an und war sehr einflussreich. Ferdinand Brunnbauer war Pate des ersten Sohnes der Familie Spielbüchler. Auch Dr. Molitoris, der (wie Brunnbauer) evangelisch und Generaldechant von Siebenbürgen war, schreibt an den Justizminister. 1950 wird Brunnbauer schließlich wieder in den Schuldienst übernommen. Ob die Tatsache, dass Brunnbauer mit dem damaligen Präsidenten des oberösterreichischen Landesschulrates Jakob Mayer in die Schule gegangen ist, hilfreich war, ist unklar. Sicher ist, dass sich Brunnbauer zu Beginn der 50er Jahre bereits aktiv bei der ÖVP engagierte.

Die Wiederanstellung reicht Brunnbauer aber nicht aus. Er will die völlige Löschung seiner NS Mitgliedschaft erreichen. Das weitere Drängen von Spielbüchler beim neuen Justizminister Otto Tschadek war erfolgreich. Mit Hilfe von wieder in Einfluss gelangten „Glasenbachern“ erreicht Brunnbauer die Wiederaufnahme seines Verfahrens, das schließlich eingestellt wird. Brunnbauer gilt ab diesem Zeitpunkt nicht mehr als „schwer belastet“ und bekommt die Bezüge als pragmatisierter Lehrer nachbezahlt.

Brunnbauers Karriere geht steil bergauf: Er wird Kurator der evangelischen Pfarrgemeinde und engagiert sich stärker bei der ÖVP. Nach der Wahl 1954 wird er Stadtrat für die ÖVP. Wie er es darstellt, am Anfang gegen seinen Willen. Mit entwaffnender Offenheit gesteht Ferdinand Brunnbauer, dass es auch ein politischer Kuhhandel war:

Als man mir aber dann meine völlige Rehabilitierung nicht nur in Aussicht stellt, sondern mich damit überrascht, habe ich keine Gegenargumente mehr und muß nun auch „B“ sagen.“ Der Rest ist ein eindrucksvolles Stück juristischer Zeitgeschichte. Wir erinnern uns – Brunnbauer galt ja als „schwer belastet“ und wurde 1949 wieder in den Schuldienst überstellt und 1951/52 dann als „minderbelastet“ geführt. Mit dem Bescheid vom 6.09.1954 sollte nun der letzte Rest der NS Vergangenheit gelöscht werden. Und so erging „[…] über Antrag des Herrn Ferdinand Brunnbauer auf Aufhebung der Registrierung als Mitglied der NSDAP vom Dezember 1932 bis 1945“ folgendes Urteil:

Nunmehr beantragt Herr Brunnbauer die Entregistrierung mit der Begründung, daß er wohl als Minderjähriger Mitglied der HJ geworden und als solches im Jahr 1932 noch minderjährig ohne sein Zutun in die NSDAP überstellt worden sei. Im Mai 1933 habe er mündlich und am 10.6.1933 schriftlich seinen Austritt aus der NSDAP erklärt. Während der Verbotszeit habe er sich keineswegs für die NSDAP betätigt. Ja im Gegenteil, er habe sich in den Umbruchstagen 1938 als Amtsträger der VF […] mit der Waffe in der Hand für ein unabhängiges Österreichgegen den Nationalsozialismus zur Verfügung gestellt.“

Dieser Begründung folgend kommt man im Bescheid zu folgendem Schluss:

Es besteht kein Anlass, die Glaubwürdigkeit dieser Angaben, […] zu bezweifeln. Darnach ist seine Mitgliedschaft zur NSDAP durch Austritt aus dieser mit spätestens 10.6.1933, also noch vor der Verbotszeit, erloschen.“ Weiters wird gefolgert, dass Brunnbauer während des Krieges, „[...] da er ja Soldat war, einfach keine Zeit gehabt haben könne, seine „Mitgliedschaft zur NSDAP während der kurzen Unterbrechungen […]“64 wieder aufleben zu lassen.

Was folgt ist die notwendige Rechtsmittelbelehrung. Mit Stand 6. September 1954 ist Ferdinand Brunnbauer völlig unbelastet.

Im Oktober 1955 fanden Landtags- und Gemeinderatswahlen statt, in deren Folge Ferdinand Brunnbauer das Amt des Personalreferenten erhielt. Ferdinand Brunnbauer verlor 1956 das Rennen um den Schulinspektorposten in Ried und Braunau knapp. Er wurde aber in den „Disziplinarausschuss der Lehrer“ gewählt. 1959 wurde Ferdinand Brunnbauer zum Stadtparteiobmann der ÖVP befördert.65 Ferdinand Brunnbauer leitete später die Bezirkslehrerbücherei und war im Kriegerdenkmalausschuss, den es damals noch gab. Er wurde nach der Pensionierung des ehemaligen Direktors Kastner am 1. September 1965 Hauptschuldirektor der Brucknerschule.

Immer dann, wenn im Rahmen der Stadtgemeinde eine feierliche Rede zu halten war, scheint Ferdinand Brunnbauer diesen Part übernommen zu haben.

Damit war Ferdinand Brunnbauer zu einem der wichtigsten Bürger der Stadt Ried geworden. Neben seiner Arbeit wurde Brunnbauer einer der bekannten Rieder Historiker. Zeit seines Wirkens galt sein besonderes Augenmerk der Darstellung der Rieder Geschichte unter dem national-deutschen Aspekt inklusive der Verteidigung der Kriegsgeneration. Trotzdem war er in der ÖVP dieser Zeit eine der wichtigsten handelnden Personen. Eine erstaunliche Karriere, wenn man bedenkt, dass er 1945 noch zu den schwer belasteten ehemaligen Nationalsozialisten gehört hat.

TEAM (Tobias Buchwald, Michael Enkner, Hannes Eichsteininger)