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Brunnbauer trat 1929 dem HJ Verband „nationalsozialistischer Jungarbeiter Ortsgruppe Linz“ bei. Er brachte seinen Stiefvater so weit, eine nationalsozialistische Kundgebung zu besuchen.

Durch Nachhilfestunden verbesserte er seine finanzielle Lage. Am 21. September 1931 trat er dem NS-Lehrerbund bei. Zu Beginn der 30er Jahre erlebte die illegale NSDAP in Österreich einen enormen Aufschwung, auch wenn sie politisch noch nicht bedeutsam sind.

In der HJ übten wir eine wachsende Tätigkeit aus. Zu dieser Zeit stand der „Deutsche Mittelschüler-Bund“ vor seiner Auflösung.“

Die Saufgelage seiner Alterskameraden interessierten ihn nicht, die Reichstagswahl vom 31. Juli 1932 beeindruckte ihn jedoch sehr. Bei den Landtagswahlen in Preußen war die Zahl der NS-Mandate von 9 auf 163 angestiegen und in Bayern, Salzburg, Niederösterreich und Wien gab es beachtliche Erfolge.
In der schwierigen Lage am Arbeitsmarkt war ein Jobangebot Glückssache. Die wirtschaftliche Lage nach dem Weltkrieg war schlecht. Das sieht man auch an den Anzeigen in den Zeitungen dieser Zeit. Immer wieder wird per Inserat um Arbeit gesucht. Weil er evangelisch war, blieb ihm aber eine langwierige Suche erspart. Bereits vor der Reifeprüfung erschien ein unbekannter Pfarrer und Konrektor von Gallneukirchen bei ihm und bot ihm die Stellung eines Lehrers und Erziehers an dem Ev. Privatvolksschule und Waisenanstalt Weikersdorf an. Er nahm das Angebot mit großer Freude an.

Im Juli 1932 erhielt er dann die freudige Mitteilung, dass er einstimmig gewählt worden war. Dies war der Zeitpunkt, wo er selbständig und unabhängig seine Zukunft gestalten konnte. Am 15. 9. 1932 zog er nach Weikersdorf. In Weikersdorf befand sich damals die Bezirksleitung der NSDAP. Als er sich dort meldete, wurde er bald in den Dienst der „Bewegung“ eingespannt. Seine erste Funktion war die eines „Bezirksinspekteurs“. Das klingt nach einem tollen Titel, das war es aber nicht. Er musste jedes Monat einmal das Gebiet des Bezirkes durchstreifen und laufend überwachen. Dies erledigte er mit einem Fahrrad.

Weil es in Weikersdorf keine SA gab, ging er zur SS, die in Österreich aber streng verboten war.

1933 wird Hitler in Deutschland Reichskanzler, die NS-Partei wird bald darauf in Österreich verboten.

Brunnbauers glühende Schilderungen werden oft unterbrochen von Erzählungen über seine Arbeit im Heim in Weikersdorf. Er sagt, dass er für seine Buben immer da war, und es auch keinen Tag gab, an dem sie nicht mit einer heiteren oder gruseligen Geschichte zu Bette gingen.

Er fand es faszinierend, mit welcher Begeisterung die Buben bei der Sache waren. Es machte ihn aber traurig, keinen gleichaltrigen Kameraden zu haben. Die anderen Lehrer waren alle viel älter.
Es war sein Bestrebenm, seine Schüler paramilitärisch auszubilden. Er ließ sie freiwillig auf manche Bequemlichkeit verzichten, z.B. ohne Kopfkissen schlafen. Als er einmal, es war schon lange Mitternacht, den Schlafsaal durchschritt, um in sein Bett zu kommen, lag um sein Bett die ganze Gruppe am Fußboden und war nicht zu bewegen in ihre Betten zu kriechen.

Paramilitärische Jugenderziehung gab es nicht nur bei der HJ sondern auch im Ständestaat. Brunnbauer, Mein Lebensweg: 1913-1938,

1934 verstärkten sich die Spannungen zwischen den Nationalsozialisten und der Regierung. Es kam vermehrt zu Anschlägen der Nationalsozialisten. Auch der Bürgerkrieg 1934 zwischen dem Schutzbund und den Heimwehren erschütterte Österreich und führte zu vielen Toten.

Brunnbauer und andere nützten die Gelegenheit. Sie verteilten Flugblätter und hissten so manche Hakenkreuzfahnen. Die Feuerwehr musste mit Leitern ausrücken, um die Fahnen zu entfernen. Polizei und Gendarmerie waren damals schon von illegalen NS-Leuten unterwandert. Die meisten Hausdurchsuchungen wurden verraten, so auch bei Brunnbauer: In den Weihnachtsferien 1933 klopfte ihm auf der Donaubrücke ein Unbekannter auf die Schulter und sagte ihm, dass am 8. Jänner in Weikersdorf eine große Hausdurchsuchung mit 8 Mann Polizei bevorstehen würde.

Im Jahr darauf halfen die Nazis auch einigen flüchtenden Schutzbundaktivisten in die Tschechoslowakei zu entkommen. Brunnbauer unternahm immer lange „Kurierfahrten“. Im Prinzip waren es Werbefahrten, um neue Parteimitglieder anzuwerben.

Am 20. April kam Brunnbauer von einer Kurierfahrt aus Leonfelden zurück und hatte eine Menge Beitrittserklärungen dabei.

Als er dann am 20. April ein Feuer, welches von zwei „Kameradinnen“ (Diakonie-Schülerinnen?) anlässlich des Hitler- Geburtstages entfacht wurde, löschen wollte, erwischte ihn die Gendarmarie und er musste zum Verhör. Man konnte ihm nichts nachweisen, weil er das Feuer ja nur gelöscht hatte.

Als Brunnbauer seine spätere Frau Herta kennenlernt, werden seine Tagebucheintragungen ungenauer. Es scheint uns, dass er für eine kurze Zeit lang sein privates Glück wichtiger nahm als sein politisches Engagement. Er berichtet von einigen Fortbildungskursen, an denen er als Lehrer teilnahm. Die meisten waren am Wolfgangsee. Dort wurden aber keine Fortbildungen für Lehrer abgehalten, sondern solche für NS- Führungspersonal.

Jessica Stöckl und Vanessa Berger