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Mit dem Nachbarnbuben Franz Lehner, dem „Schupaulfranzl“, verband ihn eine enge Freundschaft, die lange anhielt.

Bald erlebte Brunnbauer auch seine ersten religiösen und geschichtlichen Eindrücke, da er von seiner Großmutter erfuhr, dass vor 3 Jahrhunderten im nahegelegenen „Emlinger-Holz“ einige tausend lutherische Bauern im Kampf um ihren Glauben unterlagen. Ferdinand war stolz, auch so ein "Lutherischer“ zu sein, doch es bedrückte ihn sehr, dass der „Brunner“, der größte Bauer im Dorf war, ein Katholik war.

Brunnbauer erzählte auch über ein Ereignis, dass ihm aus seiner Kindheit noch in Erinnerung ist: Der Zusammenstoß von 2 Zügen der Eferdinger Lokalbahn am 16. Juni 1918 in Straß, bei dem 60 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden.

Zu dieser Zeit griff der Krieg auch in Brunnbauers Leben ein: „Mein Vater, seit 1912 aktiver Soldat, war seit 1916 nach einer Verwundung beim k.u.k Feldjägerbataillon Kopal Nr. 10, beim 1. Armeekommando Rechnungsführer in Przemysl geworden und konnte als er nach Cholm, im ehemaligen Russisch-Polen, versetzt wurde im Spätsommer 1918 seine Familie nachkommen lassen.

Als Brunnbauer dann knapp 5 Jahre alt war, fuhr Ferdinand mit seiner Mutter zu seinem Vater. Bald sollte auch die Schulpflicht für Ferdinand beginnen, was er sich in dieser Zeit so gar nicht vorstellen konnte.

Den Ersten Eindruck von den Gräueltaten des Russeneinfalls bekam Brunnbauer in einem nahegelegenen Dorf. Die Menschen dort erzählten grausige Geschichten über den Einfall der Russen in das deutsche Dorf, die Brunnbauer gut in Erinnerung blieben.

Besonders freute er sich, als er erfuhr, dass unter den Betroffenen nicht nur Volks- sondern auch Glaubensgenossen waren. Auch deshalb durfte er schon in ganz jungen Jahren erfahren, "was viele ältere Deutsche bis dorthin noch nicht wussten und auch wahrscheinlich nur zum Teil erfahren: nämlich, dass viele hundert Kilometer von ihrer Heimat entfernt Menschen leben, die völlig gleich waren, wie sie." (Tagebuch)

Auch als einziger deutscher Soldatenbub war Brunnbauer in Cholm bald Liebling der kinderliebenden Soldaten, wie manche fotografische Aufnahmen gut wiedergeben.

Brunnbauer berichtet auch über eine Kapselpistole, mit der er unter anderem auch den Kommandanten der Soldaten ärgerte.

„Im Herbst 1918 schwirrten allerlei Gerüchte durch die Stadt. Von Aufständen der Polen war vielfach die Rede.“ Nun beginnt auch der Krieg in Brunnbauers Leben einzugreifen und eine bedeutende Rolle zu spielen: Als er eines Morgens angekleidet wurde und plötzlich sein Vater mit bedrohlichen Nachrichten in die Stube stürmte. Brunnbauers Vater berichtete, dass sie sofort die Stadt verlassen müssen und Richtung Heimat fliehen sollen.

Da der letzte Zug für Zivilpersonen schon in einer Stunde ging, packten sie voller Hetz unwichtige Sachen ein und ließen wichtige Sachen dort.

Mit der Kutsche der Ordonnanz fuhren Brunnbauer und seine Mutter zum Bahnhof, wo allgemeine Angst und Unruhe unter den Menschen herrschte. „Gewehrschüsse waren zu hören.“

"Die tagelange Zugfahrt durch das von Hass gegen die Deutschen erfüllte Land", werden immer in Brunnbauers Gedächtnis bleiben. Da der Zug größten Teils mit nicht einsatzfähigen Soldaten aus Lazaretten gefüllt war, waren seine Mutter und seine Schwester und er die einzigen Zivilisten. Es ist möglich, dass sich hier bei Brunnbauer Erfahrungen aus den beiden Kriegen zu einer Erinnerung verdichten.

"Gerüchte schwirrten durch die Abteile, dass die Weichselbrücken alle gesprengt wurden, und immer wieder blieb der Zug stundenlang stehen, da die Schienen aufgerissen waren oder andere Schikanen im Weg waren. Die Zugfahrt war sehr gefährlich, da die Aufstände schon sehr weit vorgedrungen waren, weil es schon der letzte Zug für Zivilisten war. Außer dem mitgebrachten Mundvorrat gab es tagelang keine Nahrung."

Brunnbauer und seine Mutter und Schwester hatten auch noch zusätzlich zu leiden, da alle deutschsprachigen Leute von verschiedenen Banden gedroschen wurden.

„Endlich sind wir an der Weichsel. Spannung in allen Gesichtern. Einige suchen Zuflucht im Gebet.“

Ewig hört Brunnbauer das keuchen der Lokomotive, als der Zug nach einem langen Halt an der Weichsel weiterfuhr.

Die Spannung riss, als der Zug endlich diesseits der Weichsel war. Sie waren gerettet!

„Viel war von Granitz die Rede. Lange glaubte ich, es handle sich um einen Ort dieses Namens.“ Doch es war die Bezeichnung der alten Grenze der Monarchie.

Bolschewistische und polnische Banden durchstreifen kontrollierend den Zug. Alles wird durchwühlt.“ Zu diesem Zeitpunkt werden auch Lebensmittel und Heeresgut von „befreiten“ Völkerschaften der Donaumonarchie beschlagnahmt.

Seine erste „Feindberührung“ erlebte Brunnbauer in Form einer Ohrfeige, als er einen ihm liebgewordenen Gegenstand nicht hergeben wollte, und zu schreien begann.

Als sie endlich Wien waren, stellten sie fest, dass es auch schon dort drunter und drüber ging. Deshalb war es auch sehr mühsam gewesen, ein Gasthaus zu finden, indem sie dann ein warmes Essen, eine Suppe, bekamen. Mehr ging sich nicht aus, da sie nur noch das Geld hatten, dass die Kinder in ihren Strümpfen verbergen konnten.

Mit der Westbahn ging es dann Richtung Heimat.

„Hier reißt der Faden meiner Erinnerungen ab. Ich weiß nur, dass ich in das Linzer Kinderspital gebracht wurde und wegen einem „Herzfehler“ gleich bei Schulbeginn vom Turnen befreit wurde.“

Aus dem Spital wurde er erst entlassen, als sein Vater bereits heimgekehrt war.

Bis Schulbeginn 1919 verbrachte Ferdinand Brunnbauer wieder in Emling bei seinen Großeltern.

Da Brunnbauer in einer schlechten körperlichen Verfassung war, wurde er 1912 in die Volksschule 7, die Dürnbergerschule eingewiesen, da man diese mit der Straßenbahn erreichen konnte.

Seine späteren Lehrer übten in gewisser Weise großen Einfluss auf ihn aus..

Als das Schicksal hart zuschlug, war Ferdinand Brunnbauer erst in der 2. Klasse Volksschule: Sein Vater war im aktiven Wehrdienst geblieben und gehörte der „Volkswehr“, später „Reichswehr“ an.

Später wurde er dann von der oberösterreichischen Landesregierung als Kontrollorgan zur Bekämpfung des Schwarzhandels übernommen, wo er die Dienststelle am Linzer Hauptbahnhof hatte.

Am 23.2.1921 starb Brunnbauers Vater, er wurde von einem Zug erfasst. Das Ansehen der Leiche war ihnen nicht mehr erlaubt, da nur noch verstümmelte Teile vorhanden waren, doch dies hielt Brunnbauers Großeltern nicht davon ab, ihren Sohn das letzte Mal zu sehen. Auch wenn der verstorbene Vater nicht mehr der Armee angehörte, war die kameradschaftliche Bindung noch sehr stark und die Beerdigung fand in allen militärischen Ehren statt.

Der Tod wirkte sich auch auf die wirtschaftliche Lage der Familie Brunnbauer aus- der Ernährer der Familie war dahin. Unterstützung oder Rente gab es nicht, da sein Vater noch zu kurz Beamter war. Sein wohlhabender Pate hielt sich auch nicht an sein Versprechen, ihnen regelmäßig Geld zu geben um sie zu unterstützen und so musste seine Mutter jede Arbeit annehmen, die sie bekommen konnte, doch nicht mal das war so leicht.

Die schulfreien Tage und Wochenenden verbrachte Brunnbauer bei seinen Großeltern, doch keineswegs in rosigen Verhältnissen. Seine Mutter entschloss sich noch einmal zu heiraten und vermählte sich mit dem Postbeamten Ferdinand Allerstorfer. Er ermöglichte Brunnbauer eine höhere Schule zu besuchen. 1924 startete er die „ Deutsche Mittelschule“ in Linz, danach besuchte er das „ Reform- Realgymnasium“.

Am 5. Oktober 1924 starb seine Großmutter, doch diesen Tod konnte er nur schwer verkraften. Nun verstand Brunnbauer sich noch besser mit seinem Großvater, den er noch ein Jahrzehnt haben und lieben durfte.

Kurz nach dem Tod Großmutters verstarb auch Brunnbauers Onkel und dessen Kind mit nur wenigen Wochen. Gemeinsam wurden sie in Eferding bestattet.

1928 beschloss er Lehrer zu werden und nahm mit seinem Kameraden an der erforderlichen Prüfung teil. Von 80 Bewerbern kamen sie unter die 30 die für die Aufnahme in Frage kamen.

Erstmals wurde vom Nationalsozialismus und Hitler berichtet, von dem Brunnbauer und sein Kamerad Sepp Umtausch ganz begeistert waren.